Unser Selbstverständnis

Wir sind Frauen und Männer aus verschiedenen Religionen und Weltanschauungen, darunter Hindus, Buddhisten, Juden, Christen und Muslim. Uns verbindet das Wissen um das große Geheimnis des Heiligen, welches sich in jedem Menschen und in der gesamten Schöpfung verbirgt und offenbart. In diesem lebendigen, spirituellen Geschehen finden wir Zugang zu unserem Ursprung und zu Gott mit seinen unzähligen Namen.

Wir sind zuversichtlich: Das Verlangen nach einem lebensbewahrenden Frieden wird die Menschen aller Religionen und Geistesströmungen zusammenführen. Deshalb verstehen wir uns als spirituell orientierte Friedensstifter. Im Lauf des vergangenen Jahrhunderts erstarkte die Bewegung interreligiöser Friedensgebete. Als im Mai 2002 Präsident George W. Bush in Europa um Verbündete für seine militärischen Absichten warb, traten wir erstmals an die Öffentlichkeit.

Gegen den Missbrauch von Religionen als Mittel zur gewaltsamen Durchsetzung von Interessen setzen wir durch unser gemeinsames Beten unter freiem Himmel ein Zeichen. Uns bewegen dabei vor allem drei Anliegen:

Gemeinschaft: Das Heilige in uns und zwischen uns kann von allen Menschen als gegenwärtig erfahren werden. Wir können ihm begegnen und uns von ihm verändern lassen. So gelangen wir zu einer Freiheit, die Menschenfreundlichkeit, Friedensbereitschaft und geschwisterlichen Umgang miteinander möglich macht.

Öffentlichkeit: Wie selbstverständlich hat sich die Menschheit in Systemen festgefahren: Markt und Aktienkurse werden fast göttlich verehrt, soziale Konflikte und kulturelle Brüche in Kauf genommen. Ökonomische Überlegenheit und militärische Stärke, Aufrüstung und Krieg, sind oft eingesetzte Mittel der Politik. Mit unserem Gebet auf Straßen und Plätzen lösen wir uns aus den Erstarrungen des Alltags. Wir kommen unter freiem Himmel zusammen und sind Teil der Bewegung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

Wahrhaftigkeit: Wachsam für Impulse unserer Lebenswelt bringen wir die Lebensbedrohungen zur Sprache. Oft verbinden sich ausgeklügelte Lügensysteme mit unseren Vorurteilen und verhindern so, in den Mitmenschen unsere Geschwister zu sehen. Das monatliche Friedensgebet ist Ausdruck unseres Vertrauens auf die Zusage einer gerechten Welt: In ihr lassen wir uns gegenseitig gelten und sind dankbar getragen von dem großen, uns umhüllenden Geheimnis des Heiligen.

Berlin,  23. Dezember  2002
erneuert: 5. Oktober 2008