2019/10 Staunen und Erschrecken

Staunen und Erschrecken

6.10.2019 – 15 Uhr –  auf dem Gedarmenmarkt (Nähe Deutscher Dom)

Religiöse Menschen kennen mit allen Menschen guten Willens das Staunen über das Leben in seiner wunderbaren Vielfalt. Aber wir kennen auch das staunende Erschrecken und erschrockenes Staunen, wenn Leben eingegrenzt, verhindert und zerstört wird. Das benennen wir als eiskalten Missbrauch der Macht, wenn Menschen und das sie umgebende anvertraute Lebendige zu Opfern von Machtinteressen und eigensüchtigem Lebenswillen gemacht werden.

Wo aber Ehrfurcht vor dem Lebendigen waltet, erkennen wir den heilsamen Einfluss der Religionen. Sie verdeutlichen mit Lehren und Gebräuchen den Dienst am Leben, das aus der Quelle des Lebens zu uns gelangt. Sie erinnern uns daran, dass Gott den Menschen dient und sie von Gott zu einem lebensdienlichen Handeln gerufen sind.

Staunend stehen wir im Gebet vor diesem auch uns geheimnisvollen und unergründlichen Gott, den wir mit seinem Handeln leicht übersehen und leugnen. In seinem Angesicht erschrecken wir im Blick auf unser Handeln und richten uns täglich neu auf ein friedliches Zusammenleben mit allen Menschen aus. Deshalb versammeln wir uns an jedem ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr auf dem Gendarmenmarkt am Deutschen Dom mit dieser – oft nicht wahrgenommenen und auch unter uns durch Machtinteressen gefährdeten – Gemeinsamkeit mit allen Menschen guten Willens. Wir bestärken unseren gemeinsamen Herzenswunsch auf unterschiedliche Weise in Stille oder im ausgesprochenen Gebet.

Die staunende Ehrfurcht vor der ganzen Wirklichkeit lädt uns zum Dank gegenüber dem Leben und zum Widerspruch gegenüber allem Unrecht ein. Wir sagen ein bekennendes JA zur offenen Zukunft im Respekt gegenüber allen Menschen und mit unserer Verantwortung in der Gesellschaft ein schützendes NEIN besonders bei Leugnung der Menschenwürde und Bestreitung von Menschenrechten. Lebensmut empfangen wir von denen, die im Dienst des Lebens für unseren Lebensweg zum Licht und Zeichen wurden. Wir erkennen sie auch im bewundernden Staunen bei Kindern. So wird Frieden wachsen, wenn wir mit Demut und im Respekt gegenüber der ganzen Schöpfung leben, die uns anvertraut ist, um Lebensräume zu gestalten.

Wir begrüßen die Initiative der evangelischen Kirchen Deutschlands, die den Schrei der Ertrinkenden aufnahmen und ein Rettungsschiff ins Mittelmeer entsenden werden. Bekenntnis zum Leben, das ist auch der Widerstand der katholischen Weltkirche gegen den weltweiten Menschenhandel – und die universale Erkenntnis von der heiligen Gabe des Lebens in Glaubensgemeinschaften und Religionen.

 

Einladung zum Vorbereitungstreffen: Interessierte sind herzlich willkommen. Das nächste Vorbereitungstreffen findet statt am Mittwoch, 9. Oktober  um  18 Uhr bei Helga Ottow, Prenzlauer Promenade 147, 13189 Berlin-Pankow